Rechtsextreme AfD muss sich bei „Bürgerdialog“ kritischen Fragen stellen
Wie die Mitteldeutsche Zeitung (MZ) berichtet, muss sich die AfD bei einem sogenannten „Bürgerdialog“ in Elster teils auch kritischen Nachfragen stellen. Dies kommt nicht oft vor, dienen solche AfD-Inszenierungen im Zuge der bevorstehenden Landtagswahl doch in der Regel dazu, die eigene Echokammer zu bedienen und einen kritischen Dialog nicht zu zulassen (mehr dazu hier…). Bei der vom Wittenberger AfD-Bundestagsabgeordneten Volker Scheurell (mehr dazu hier…und hier…) organisierten Veranstaltung ist das diesmal offenbar anders: auf dem Podium sitzen neben Scheurell die AfD-Bundestagsabgeordneten Arne Raue aus Brandenburg, dessen Immunität der Bundestag aufgrund eines Ermittlungsverfahrens erst im November 2025 aufgehoben hatte (mehr dazu hier…) und sein AfD-Fraktionskollege im Bundestag, René Bochmann aus Nordsachsen. Gleich zu Beginn geht es um die AfD-Verwandtenaffäre, Vetternwirtschaft und Überkreuz-Anstellungen. Laut MZ beantwortet René Bochmann eine darauf bezogene Nachfrage mit den bekannten AfD-Schutzbehauptungen: demnach habe die AfD nicht so viele Mitglieder und könne daher aus diesem begrenzten Pool nicht genügend Fraktionsmitarbeiter akquirieren. Viel mehr setze die Partei nach einigen schlechten Erfahrungen vor allem auf Loyalität. Diese, so Bochmann, ließe sich am ehesten bei Familienmitgliedern und Freunden finden. Bochmann ist es dann auch, der im Zentrum einer weiteren Intervention aus dem Publikum steht. Nach Angaben der Lokalzeitung meldet sich ein Gast der gelesen habe, dass Bochmann bei den Grenztruppen der DDR gedient habe und dies auch noch stolz verteidigt hätte, schließlich habe ja niemand 1989 an der Grenze auf das eigene Volk geschossen. Das sieht der Teilnehmer anders, der eben an jener innerdeutschen Grenze festgenommen wurde und für den Bochmanns Aussagen offensichtlich ein Affront ist.
Schon in den Eingangsstatements der drei AfD-Politiker zeigen sich laut MZ zudem leichte Unstimmigkeiten bei der Migrationspolitik – durchaus ein bemerkenswerter Vorgang.
„Wenn wir in Regierungsverantwortung kommen, dann wird abgeschoben“, sagte etwa Scheurell.
Worauf Bochmann später erwidert: „Wenn wir als Deutsche einen Beitrag zur Menschlichkeit leisten können, sollten wir das machen“. Daraufhin widerspricht ihm Raue und plädiert für eine radikale Rückführung.
Der AfD- Landesverband Sachsen-Anhalt wird vom hiesigen Verfassungsschutz als „gesichert rechtsextreme Bestrebung“ eingestuft.

Foto: Projekt GegenPart am 03.02.2025 im Wahlkreis 70
Quellen: Mitteldeutsche Zeitung vom 17. Februar 2026; eigener Bericht


