Chronik

Spiegel-Journalist reagiert nach Missbilligung von Berichterstattung

Hamburg/Bitterfeld-Wolfen

Es war ein bemerkenswerter Vorgang, als der Stadtrat von Bitterfeld-Wolfen im Februar 2025 (mehr dazu hier…) mit großer Mehrheit eine Missbilligung gegen den ein Monat zuvor im  Hamburger Nachrichtenmagazin „Der Spiegel“ erschienenen Artikel mit dem Titel „Hier sehen wir, wie man eine liberale Demokratie demontiert“ (mehr dazu hier…) von Peter Maxwill ausgesprochen hatte. Dieser hatte damals ausführlich über die Normalisierung extrem rechter Positionen und Strukturen in der Stadt berichtet und dies vor allem an der in Sachsen-Anhalt als „gesichert rechtextreme Bestrebung“ eingestuften AfD um deren als völkisch-nationalsozialistisch geltenden Kreisverband Anhalt-Bitterfeld (mehr dazu hier…und hier… und hier…) festgemacht. Für Maxwill offenbar so bemerkenswert, dass er darauf nun mit dem Essay „Ich schrieb über Rechtsextremismus – und plötzlich war ich das Problem“ im Spiegel nachlegte.
Der Journalist zieht eine ernüchternde Bilanz: „Daraufhin waren viele in der Stadt zutiefst empört – allerdings nicht über den Rechtsruck. Sondern über meinen Text, der ihn beschreibt.“ Es leuchte ihm ein, dass ein Kommunalparlament jedes Recht habe, sich mit der Berichterstattung über die eigene Stadt zu befassen und auch einzufordern, dass auch die positiven Entwicklungen und Erfolge der letzten Jahre zu Sprache kommen sollten. „Das stimmt. Nur: Ich bin Journalist, nicht Lokalchronist. Und mein Artikel ist kein Stadtführer – sondern ein Bericht darüber, wie Rechtsextreme in einem deutschen Mittelzentrum schrittweise das Kommando übernehmen.“, antwortet Maxwill in seinem Essay auf diesen Vorwurf. Die rechtsoffene Gruppierung „Pro Bitterfeld-Wolfen“, die oftmals mit der rechtsextremen AfD im Stadtrat stimmt, habe so den Oberbürgermeister Armin Schenk von der CDU, dessen Wahl die AfD massiv in Frage stellte (mehr dazu hier… und hier…), beauftragt, eine Klage wegen „Verleumdung und Rufmord“ gegen den Artikel zu prüfen. Diese angedrohte Klage sei nie bei der Rechtsabteilung des Magazins angekommen, genauso wenig wie eine Anrufung des Presserates erfolgte oder eine Unterlassung beantragt wurde. Selbst ein Versuch, im Rahmen eines klärenden Telefonats mit dem Autor über die Berichterstattung zu sprechen, habe es nie gegeben. Peter Maxwill ist sichtlich nachdenklich, wenn er dazu im Essay schreibt: „Natürlich: Journalistinnen und Journalisten, die über andere urteilen, müssen auch selbst Kritik ertragen. In diesem Fall beschäftigt sie mich mehr als sonst. Sie geht mir nah, weil das Thema selbst naheliegt, im wörtlichen Sinne. Denn im Unterschied etwa zu Sportjournalistinnen oder Gerichtsreportern ist es so, dass der Gegenstand meiner Berichterstattung zugleich mein Lebensumfeld ist: Ich wohne in Sachsen, Bitterfeld ist eine gute halbe Stunde entfernt, der Rechtsruck ist Teil meines Alltags.“

Foto: Projekt GegenPart
Quellen: „Der Spiegel“ vom 27. Dezember 2025; eigener Bericht