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„Wir erinnern uns!“

Dessau/Stadtpark

Tag der Erinnerung am 11. Juni 2026 gedenkt im Stadtpark Dessau an den neonazistischen Mord an Alberto Adriano.

Am 11. Juni 2000 schlugen, traten und quälten drei junge Neonazis (mehr dazu hier…) den mosambikanischen Vertragsarbeiter Alberto Adriano brutal im Dessauer Stadtpark (mehr dazu hier…) und grölten dabei rechtsextreme Parolen. Als das Opfer bewusstlos am Boden lag entwendeten sie Alberto Adriano zur Demütigung die Kleidung. Alberto Adriano erlag wenige Tage später seinen tödlichen Verletzungen. Der dreifache Vater wurde 39 Jahre alt. Dieser rassistische Mord stellte damals eine Zäsur im öffentlichen Umgang mit rechter Gewalt dar. Der damalige Bundeskanzler Gerhard Schröder rief auch wegen diesem Fall den „Aufstand der Anständigen“ aus. Und es wurden Präventions- und Interventionsprogramme aufgelegt die bis heute existieren. Ein Vierteljahrhundert später nimmt das Multikulturelle Zentrum Dessau dies zusammen mit Kooperationspartnern zum Anlass (mehr dazu hier), auf diesen für die Stadt und die gesamte Republik so geschichtsträchtigen Tag reflexiv zurückzublicken.

26 Jahre nach dem brutalen und heimtückischen Mord versammelten sich an diesem Nachmittag etwa 70 Personen im Stadtpark Dessau an der Erinnerungsstele zum Gedenken an Alberto Adriano.

Die jährliche Veranstaltung wurde in diesem Jahr von der in Dessau geborenen May Minhel moderiert. Zu Beginn rief sie in mahnenden Worten zur Erinnerung auf und auch dazu, diesen rechtsextremen Mord niemals zu vergessen. Im Vorfeld fragten verschiedene politischen Parteien an um eigene Redebeitrag zu halten, doch die Veranstaltenden entschieden sich darauf zu verzichten um im Anbetracht der kommenden Wahl keine politische Bühne zu bieten, sondern den Fokus auf die Erinnerung zu legen.

Foto: Projekt GegenPart; Moderatorin May Minhel

Nach den einführenden Worten der Moderatorin hielten die Anwesenden eine Schweigeminute gegen rechten Terror, Antisemitismus und rechte Gewalt ab.

Als erste Rednerin trat Layha Aukongo ans Mikrofon. Die schwarze Künstler:in reiste gemeinsam mit Student*innen der Alice-Salomon-Hochschule für diesen Tag aus Berlin an. Layha schreibt Poesie die sich insbesondere mit Dekolonialisierung und Heilung beschäftigt.

Zum Anlass der der Veranstaltung brachte Layha Aukongo zwei poetische Impulse zur Erinnerung mit und hob hervor das alle hier gemeinsam zusammengekommen sind gegen das Vergessen.

Foto: Projekt GegenPart; Layha Aukongo

Der erste Text drehte sich darum nicht still und leise zu sein, sondern laut und Fühlbar. In einem Call & Response antwortete das Publikum an verschiedenen Stellen auf die Aussage „Wer erinnert sich?“ mit einem geschlossenen und kräftigen „Wir erinnern uns!“. Diese Worte waren eingebettet in einem Text der sich mit dem kolonialen Erbe und dem langen System Rassismus auseinandersetzte.

Der zweite Text mit dem Titel „Trauermarsch 2.0“ behandelte aus unterschiedlichen Blickwinkeln die rechte Gewalt und das Leid von Personen die Diskriminierung erfuhren oder Personen aus deren Umfeld. Die starken Worte zwischen Trauer, Energie und Erinnerung bewegten die Anwesenden an diesem Nachmittag.

Als zweiter Beitrag folgte eine musikalische Darbietung der Leipziger Musikgruppe SENEGAMBIA. Deren Bandmitglieder aus dem Senegal und Gambia stammen.

Foto: Projekt GegenPart; SENEGAMBIA aus Leipzig

Im Anschluss folgte erneut ein kurzer Redebeitrag der Moderatorin May Minhel mit ein paar persönlichen Worten. Sie sprach von einer „Enge in der Brust und der trügerischen Ruhe“ des Schauplatzes. Diese Gedenkstele stellt nun „eine mahnende Ohrfeige“ dar und soll alle erinnern sich klar „gegen das Vergessen“ einzusetzen.

Begleitet von den Klängen der Band folgte im Anschluss die Blumenniederlegung an der 2002 errichteten Stele mit der Aufschrift „Alberto Adriano – Opfer rechter Gewalt – 11. Juni 2000“.

Das Wetter hielt sich bis zum Schluss, doch als May Minhel für die Danksagung erneut an das Mikrofon trat setzen die ersten Regentropfen ein. Dies kommentierte sie mit den Worten „[…] der Himmel weint mit uns“.

So blieb es zum Ende der Moderatorin vorbehalten sich stellvertretend bei der Amadeu Antonio Stiftung für die Finanzierung zu bedanken, bei Dr. Wassermann und der jüdischen Gemeinde, dem Multikulturellen Zentrum Dessau und der Auslandsgesellschaft für die Unterstützung und Organisation, sowie den Künstler:innen Layha und SENEGAMBIA für ihre Beiträge.