Chronik

Streit um Bildungseinrichtung für lerneingeschränkte Schüler:innen eskaliert weiter

Dessau-Roßlau (OT Dessau)

Wie die Mitteldeutsche Zeitung (MZ) mehrmals berichtete, ist ein Fall um die Dessauer Pestalozzischule, in der Schüler:innen mit Förderbedarf unterrichtet werden, in den vorangegangenen Monaten immer weiter eskaliert. Zunächst stand der Vorwurf mehrerer Eltern im Raum, dass eine pädagogische Mitarbeiterin seit November 2025 mehrere psychische und physische Übergriffe gegen Kinder verübt habe. Unter anderem wird ihr vorgeworfen, sie habe mit Schlüsseln geworfen, Schulranzen ausgekippt und sich über Schüler:innen lustig gemacht. Laut MZ sehe das Landeschulamt Sachsen-Anhalt für diese Vorwürfe zwar keine Belege, dennoch habe es ein Elterngespräch in der Schule in einer „guten und konstruktiven Atmosphäre“ gegeben. Dies scheint die Eltern jedoch nicht daran gehindert zu haben, Strafanzeigen zu erstatten und über Social Media den Kontakt zu Dennis Engelmann aufzunehmen. Dieser ist selbsternannter „Kinderschützer“ und laut MZ-Recherchen nicht unumstritten. So habe der aus Bochum stammende Mann 2025 mit seinem Verein „Kinderseelenschützer“ an einem von der AfD veranstalteten Kinderschutzkongress teilgenommen. Der „Kinderschutzbund Bundesverband“ (mehr dazu hier…) distanzierte sich später von diesem Kongress und warf der AfD eine Instrumentalisierung des Kinderschutzes vor. Gegen Engelmann musste die Pestalozzischule von ihrem Hausrecht Gebrauch machen: dieser ging bei den Gesprächen in der Bildungseinrichtung so aggressiv vor, dass er als „schulfremde Person“ vom Gelände verwiesen wurde. Engelmann war es auch, der am 14. Dezember 2025 über ein Mobilisierungsvideo im Netz zu der Demo „Schützt unsere Kinder an Schulen“ in Dessau aufrief. An dieser nahmen laut Polizei 60 Menschen teil. Nach GegenPart-Beobachtungen waren neben zahlreichen Eltern und Dennis Engelmann selbst, welcher moderierte, auch die Neonaziaktivisten Robert Z. (mehr dazu hier) und Jens K. (mehr dazu hier…) zugegen. Diese hielten sich jedoch im Hintergrund und traten nicht dominant auf.
Im Nachgang der Demo kam es zu einer weiteren Eskalation der Lage: wie die Lokalzeitung später schrieb, habe Tobias Kühne, Sprecher des Landesschulamtes, davon berichtet, dass es nun offene Morddrohungen gegen das Schulpersonal gebe und auf dem Gelände der Einrichtung in der Steneschen Straße unbekannte Personen auftauchten. Auch von Böllerwürfen ist die Rede. Die Lehrkräfte und Kinder fühlten sich bedroht, schließlich sei auch die Polizei eingeschaltet worden.
Wohl auch ein Grund dafür, dass sich der sachsen-anhaltinische Bildungsminister Jan Riedel in die Causa einschaltete und der Schule am 20. Januar 2026 einen Besucht abstattete um seine Unterstützung zuzusagen. 

Foto: Erster von rechts: Robert Z.; Foto: St. Heide am 31.10.2022 in Wittenberg
Quellen: Mitteldeutsche Zeitung vom 14., 16. und 21. Januar 2026; eigener Bericht